Das Thüringer Geoportal verbirgt einen erstaunlichen Schatz: digitale Orthophotos und historische Luftbilder – von aktuellen Befliegungen bis zurück zu Aufklärungsaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg. Leider gibt es die Bilder dort nur als einzelne, unverbundene Kacheln zum Herunterladen. Wer ein ganzes Stadtgebiet über die Jahrzehnte hinweg betrachten möchte, müsste hunderte Dateien laden und von Hand zusammensetzen. Ich wollte stattdessen einfach auf eine Karte schauen und durch die Zeit reisen können.
Also habe ich den Luftbilder-Zeitstrahl gebaut. Die Fragen, die mich antrieben: Wie sah mein Heimatort vor 30, 50 oder 80 Jahren aus? Aus welchen Feldern wurden Wohngebiete, wo verlief früher eine Straße – und was stand vor dem Krieg an dieser Stelle?
Man sucht einen Ort, zum Beispiel „Weimar“, oder zoomt frei auf der Karte. Der Zeitstrahl am unteren Rand zeigt nur die Jahre an, für die es an genau dieser Stelle tatsächlich Aufnahmen gibt. Mit dem Schieberegler wandert man durch die Jahrzehnte; für jedes Jahr fügt das Werkzeug die einzelnen Kacheln automatisch zu einem nahtlosen Bild des aktuellen Kartenausschnitts zusammen. Zwischen entzerrten Orthophotos – die über alle Jahre exakt deckungsgleich sind – und den originalen Luftbildern lässt sich umschalten, die Deckkraft regeln und das heutige Orthophoto zum direkten Vergleich darüberlegen.
Besonders viel Mühe steckt in der Darstellung. Ein Zeitraffer spielt automatisch durch alle Jahre und blendet weich von einem zum nächsten – diese Animation kann man direkt als Video exportieren, samt großer Jahreszahl und Quellenangabe. Eine kleine Infokarte zeigt zusätzlich das schärfste Bild für die Bildschirmmitte, und per Klick blättert man durch sich überlappende Aufnahmen ein und desselben Ortes. Jede Aufnahme lässt sich im Original als hochauflösendes GeoTIFF herunterladen.
Technisch steckt mehr dahinter, als man sieht. Da das Geoportal keine offene Schnittstelle bietet, habe ich den internen Endpunkt der Download-Anwendung analysiert. Ein schlanker Node-Server fragt ihn ab, umgeht per rekursiver Vierteilung ein Limit von 200 Bildern pro Anfrage, rechnet die UTM-Koordinaten nach WGS84 um und legt eine Cache-Schicht darüber, sodass der Server selbst kaum Last trägt. Die Karte basiert auf Leaflet; jede Aufnahme wird über ihre vier Eckpunkte exakt platziert, damit Orthophotos und Luftbilder sauber zusammenpassen. Das Zuschneiden der schwarzen Filmränder, das Weichzeichnen der Kanten und die Videoaufnahme geschehen vollständig im Browser. Das Ganze läuft als Docker-Container, automatisch von GitHub gebaut, auf meinem eigenen Server.
Ausprobieren lässt sich der Luftbilder-Zeitstrahl unter luftbilder.axel-schorcht.de; der Quellcode liegt auf GitHub. Mein Tipp: einfach den eigenen Heimatort suchen und den Regler nach links schieben – bei vielen Orten in Thüringen reist man so bis ins Jahr 1945 zurück.
Datengrundlage: © GDI-Th (Geoportal Thüringen, Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0).