Für die Klassenfahrt meiner zehnten Klasse nach Berlin wollte ich ein Stadtspiel wie Mister X, nur in echt: Ein paar Schüler sind die Gejagten, alle anderen jagen sie quer durch die Stadt. Die fertigen Apps dafür haben mich nicht überzeugt. Entweder brauchte jedes Handy noch eine zusätzliche Tracker App, oder kostenlos ging es nur mit sehr wenigen Geräten. Also habe ich Manhunt gebaut.
Manhunt läuft komplett im Browser. Die Schüler scannen einen QR Code, geben ihren Namen ein und sind dabei, ganz ohne Installation und ohne Konto. Alle paar Minuten kommt ein Ping: Dann sehen die Jäger, wo die Gejagten gerade sind, und die Gejagten sehen die Jäger und einander. Dazwischen sieht niemand die andere Seite. Wer gefangen wird, tippt auf „Ich wurde gefangen“ und jagt ab sofort mit.

Besonders viel Mühe steckt in der Sicherheit. Als Lehrer sehe ich alle Geräte jederzeit auf der Karte. Hält ein Schüler den roten Notrufknopf gedrückt, schlägt meine Seite Alarm, samt Standort und Fußweg dorthin. Fällt ein Handy aus, verlässt jemand das Spielfeld oder wird der Akku knapp, bekomme ich eine Warnung. Was im Funkloch unter der Erde getippt wird, schickt das Handy nach, sobald es wieder Netz hat. Am Ende ruft das Spiel alle zum Treffpunkt.

Technisch ist Manhunt bewusst schlicht gehalten: ein kleiner Server in Node.js, Karten von OpenStreetMap, die mein eigener Server zwischenspeichert, und ein Docker Image, das GitHub bei jeder Änderung neu baut und mit über 400 automatischen Tests prüft. Gespeichert werden nur der jeweils letzte Standort und die Positionen bei den Pings. Die Räume löschen sich nach einer festen Frist samt aller Daten von selbst. Werbung und Tracker gibt es keine.

Auf der Fahrt hat alles super funktioniert. Inzwischen können auch andere Lehrkräfte Manhunt nutzen: Unter misterx.axel-schorcht.de lässt sich ein eigenes Konto anlegen, das ich dann freischalte. Der Quellcode liegt auf GitHub.
Mein Tipp: vorher einmal mit drei, vier Handys auf dem Schulhof ausprobieren, am besten mit einem iPhone dabei.